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Abschlussgespräch mit Wolfgang Striebinger vom 20.03.2014

I: Ich (Nicolai Eduard Schwartz)

W: Wolfgang Striebinger


I: Hallo Wolfgang, danke, dass du dir die Zeit nimmst um mit mir zu sprechen.

W: Hallo Nicolai, bitte.

I: Könntest du mir etwas über dich und das „Chirunguito de Dios“ erzählen. Was hat dich dazu bewegt, mit dieser Arbeit zu beginnen und was sind deine Gedanken und Leitsätze deiner Arbeit.

W: Ich bin 1953 in Ludwigshafen am Rhein geboren worden. Mit 18 Jahren habe ich mich der damaligen Hippie-Bewegung angeschlossen. Ich habe mich mit anderen Gleichgesinnten auf den Weg nach Indien gemacht. Es war eine aufregende Reise in einem bunt bemalten Bus. In Indien angekommen, hab ich mich auf die Suche nach dem Inhalt und Sinn des Lebens gemacht. Dabei habe ich auch, wie alle damals, mit Drogen experimentiert. Im Laufe der Zeit bin ich völlig mittellos auf der Straße gelandet, wo ich Monate verbracht habe. Es war keine schöne Erfahrung in Indien auf der Straße zu leben. Es war eine harte und gefährliche Zeit. Nach mehreren Monaten hatte ich einen Österreicher kennengelernt, der mich mit in seine Gemeinde geholt hatte. Dort bekam ich Hilfe, Essen, ein Dach überm Kopf, Arbeit und einen Sinn. Solange ich funktionierendes Mitglied der Gemeinde war, sprich mein Aufgaben erledigt hatte, hatte ich Essen und ein Obdach. Weiterhin konnte ich viel Zeit verbringen, mich mit der Bibel auseinanderzusetzen. Ich hatte die Bibel studiert, welche mir auch einen Sinn des Lebens gegeben hatte. Nun ja - aus dieser Bewegung sind die sogenannten Dilaram Häuser entstanden, welche es Heute noch gibt.

Im Sinne der Erfahrungen, welche ich damals gemacht habe, habe ich das Konzept des „Chirunguito de Dios“ aufgebaut. Ich nehme freiwillige Helfer von der Straße und gebe ihnen Essen, Kleidung, ein Dach überm Kopf und versuche ihnen bestmöglich zu helfen. Dafür helfen sie bei mir im Lokal mit.

Ich war zwei Jahre lang teil dieser Gemeinde, bis ich mich wieder auf den Weg nach Deutschland gemacht hatte. Ich wollte meine neue Spiritualität und Erfahrungen teilen, deswegen bin ich Pastor einer evangelischen Gemeinde geworden. In dieser Zeit hatte ich auch meine Ex-Frau kennengelernt, welche ich auch geheiratet hatte.

1982 bin ich weiter nach Bilbao gezogen. Dort hatte ich sieben Jahre lang den schwächsten der Schwachen geholfen. Ich baute ein Netzwerk aus 14 Wohnungen und Lokalen auf, wo der christliche Glaube gelebt und verbreitet wurde.

1991 bin ich dann mit meiner Gemeinde nach Barcelona weitergezogen. Unsere Mission war es die Worte Christi zu verbreiten und denen zu helfen, welche nichts außer Probleme hatten. 1999 bin ich dann mit der Gemeinde in das Barrio de Raval gezogen, wo wir in einem kleinen Lokal unsere Arbeit fortgesetzt hatten. Das war so ungefähr der Grundstein vom Chirunguito wie du es jetzt kennst. Seit dem Jahr 2000 haben wir nun das Lokal und unsere Kleiderkammer mit Dusche und unser Waschmaschine und Trockner.

2008 bis 2009 war ich in Deutschland. Ich wollte es nochmals mit meiner Frau versuchen, mit der ich auch eine Tochter habe. Ich habe in diesem Jahr als Sozialarbeiter in einem Jugendhaus für jugendliche Männer mit Migrationshintergrund gearbeitet. Jedoch hat nicht alles so funktioniert wie ich es mir vorgestellt hatte und die Sehnsucht nach Barcelona und meinem Lokal wurden größer. Deswegen bin ich wieder hierher gegangen.

Hmmm (&hellip mein Leitsatz, wenn ich denn jetzt so formulieren muss, wäre der ungefähr so. Von Anfang an bestand meine Berufung den Obdachlosen gegenüber darin, ihnen Essen und warmhaltende Kleidung zu geben, ihnen auch zugleich etwas menschliche Wärme zu spenden, die wir alle so sehr benötigen. Diesen Menschen ihre Würde zurückzugeben, darin besteht meine bzw. unsere Hauptaufgabe. Die Rettung der Obdachlosen besteht für uns in einem Teller Essen, einer Tasse Kaffee, sauberer Wäsche, einer warmen Dusche. Wir kümmern uns um diese kleine Rettung der Gestrandeten. Durch eine würdevolle Behandlung können sie Hoffnung schöpfen

I: Sehr interessant, was du alles miterlebt hast.

W: Danke

I: Was ist den für die nähere Zukunft geplant ?

W: Wir haben neue Räume mieten können. Wir haben jetzt endlich einen Lagerraum und eine neue Mitarbeiterwohnung. Durch den Lagerraum können wir endlich den ganzen Raum im Lokal für das Tagesgeschäft nutzen und unseren Brüdern von der Straße einen gemütlicheren Raum zur Verfügung stellen. Außerdem soll im neuen Lagerraum auch ein kleines Beratungsangebot, welches von einer Freundin des Vereins initialisiert und organisiert wird und ein Kleiderverkauf für Bedürftige, welche nicht auf der Straße leben installiert werden. Weiterhin wird die alte Mitarbeiterwohnung, in welcher du gelebt hast, gekündigt werden und die Freiwilligen ziehen in die frisch renovierte Wohnung ein.

I: Wow, da habt ihr noch viel Arbeit vor euch.

W: Ja, haben wir. Aber es ist schön zu sehen wie unsere kleine Pflanze (das Chirunguito) wächst und widerstandsfähiger wird.

I: Danke Wolfgang, dass du dir die Zeit für mich genommen hast.

W: Bitte, hab ich gern gemacht.

I: Jetzt zum Abschluss meines Praktikums wollt ich mich nochmals bei dir für die einmalige Gelegenheit bedanken, dass ich bei dir arbeiten durfte. Es war eine wirklich schöne und lehrreiche Zeit für mich, welche ich nicht missen möchte. Ihr leistet hier eine wunderbare und wertvolle Arbeit und ich war und bin jeden Tag aufs neue fasziniert, wie ihr eure Arbeit stemmt und organisiert und das ohne einen riesigen Verein im Rücken oder dem Verwaltungsapparat der Caritas. Ihr habt meinen größten Respekt für eure Leistung und ich wünsche euch alles erdenklich Gute für eure Zukunft.

W: Vielen Dank für die lieben Worte. Es war auch für mich eine spannende und schöne Zeit mit dir. Es hat mir Spaß gemacht mit dir zu arbeiten und du hast dich wirklich gut geschlagen. Ich wünsche dir auch alles Gute und würde mich freuen dich wieder zu sehen.

26.5.14 10:53
 


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Hannelore (20.5.16 21:58)
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